Einen Rufbus einführen
Die Software ist der kleinere Teil. Den Ausschlag geben vier Festlegungen, die eine Kommune ohnehin treffen muss — und die sich später nur mit Aufwand ändern lassen. Diese Reihenfolge hat sich bewährt.
Zuerst: vier Festlegungen
1. Bediengebiet
Welche Orte, Ortsteile und Ziele sollen erreichbar sein? Wichtig sind dabei weniger die Grenzen als die Anker: Bahnhof, Ärztehaus, Einkaufszentrum, Schulzentrum, Friedhof, Freibad. Wer den Rufbus an einen Bahn- oder Busanschluss koppelt, sollte die Anschlusszeiten früh kennen — sie bestimmen den Fahrplan mit.
2. Bedienzeiten
An welchen Tagen und zu welchen Zeiten wird gefahren? Häufig ergänzt der Rufbus genau das, was der Linienverkehr nicht abdeckt: Abende, Wochenenden, Ferien, die Zeit nach dem letzten Kurs. Ein enger, verlässlicher Rahmen ist besser als ein weiter, der nicht durchgehalten wird.
3. Vorlaufzeit
Wie lange vor der Abfahrt muss gebucht sein? Die Vorlaufzeit ist der eine Parameter, an dem Fahrgastfreundlichkeit und Disponierbarkeit unmittelbar gegeneinanderstehen. Kurz ist bequem, länger erlaubt es, mehrere Anmeldungen zu einer Fahrt zu bündeln. Sie ist später einstellbar — aber jede Änderung muss kommuniziert werden.
4. Fahrzeuge und Fahrpersonal
Eigener Betriebshof, ein beauftragtes Verkehrsunternehmen oder ein örtliches Taxiunternehmen? Diese Frage entscheidet weniger über die Technik als über die Verträge — und darüber, wer am Ende im Fahrzeug die Fahrgastliste vor sich hat.
Dann: die Einrichtung
Haltestellen
Jede bediente Haltestelle bekommt Namen und Koordinaten. Wer bestehende Haltestellen des Linienverkehrs mitbenutzt, sollte sie mit ihrer offiziellen deutschlandweiten Haltestellen-ID (DHID aus dem zHV-Katalog) anlegen — dann passen sie später ohne Nacharbeit zu den Daten des Verkehrsverbunds und zu Auskunftssystemen. In RufBusle schlägt die Haltestellensuche diese Einträge beim Tippen vor.
Fahrplan
Auch ein bedarfsgesteuertes Angebot braucht ein Gerüst: mögliche Abfahrtszeiten, Fahrtrichtungen und die Reihenfolge der Haltestellen. Daraus ergibt sich, welche Zeiten einem Fahrgast überhaupt angeboten werden. Alternativ arbeitet ein Angebot mit Zeitfenstern und Zonen statt fester Abfahrten — das entspricht dem GTFS-Flex-Modell.
Fahrzeuge, Kapazität und Fahrpersonal
Pro Fahrzeug werden Sitzplätze und Rollstuhlplätze hinterlegt; daraus prüft das System bei jeder Buchung abschnittsgenau, ob noch Platz ist — nicht nur für die Gesamtfahrt, sondern für jeden Streckenabschnitt zwischen Ein- und Ausstieg. Das Fahrpersonal meldet sich am Tablet oder in der Fahrer-App mit einem kurzlebigen Code an; ein persönliches Konto pro Fahrer ist nicht nötig.
Buchungswege
Der Hauptweg ist die Buchungsseite im Browser — ohne Installation und ohne Registrierung. Daneben bleibt die telefonische Anmeldung wichtig, damit niemand ausgeschlossen wird; sie wird von der Verwaltung im gleichen System erfasst, sodass es nur einen Datenstand gibt.
Der Start
Sinnvoll ist ein Probebetrieb mit einem begrenzten Kreis, bevor das Angebot öffentlich beworben wird: ein paar Wochen mit dem Fahrpersonal und einer Handvoll Testfahrten decken die praktischen Fragen auf, die kein Konzept vorwegnimmt — wo das Fahrzeug tatsächlich hält, wie lange ein Einstieg mit Rollator dauert, ob die Vorlaufzeit im Alltag reicht.
Nach dem Start
Die ersten Monate sind eine Messung. Welche Haltestellen werden tatsächlich genutzt, welche nie? Zu welchen Zeiten kommen die Buchungen? Wo müsste eine Haltestelle hin, die es noch nicht gibt? Bediengebiet und Zeiten lassen sich danach anpassen — das ist der eigentliche Vorteil gegenüber einer Linie, deren Änderung ein Verfahren nach sich zieht.
Kurz gefragt
- Wie führt eine Gemeinde einen Rufbus ein?
- Zuerst werden Bediengebiet, Bedienzeiten, Vorlaufzeit und die Frage nach Fahrzeugen und Fahrpersonal festgelegt. Danach werden Haltestellen, Fahrplangerüst und Fahrzeugkapazitäten im System angelegt und die Buchungswege eingerichtet. Empfehlenswert ist ein Probebetrieb, bevor das Angebot öffentlich beworben wird.
- Wie lange dauert die Einrichtung?
- Die technische Einrichtung ist die kürzeste Etappe — Haltestellen, Fahrplan und Fahrzeuge sind in wenigen Tagen angelegt. Den Zeitrahmen bestimmen die Entscheidungen davor: Bediengebiet, Bedienzeiten und die Verträge mit dem ausführenden Verkehrsunternehmen.
- Können bestehende Fahrpläne übernommen werden?
- Ja. Vorhandene Fahrplandaten im GTFS-Format lassen sich importieren, und Haltestellen können mit ihrer offiziellen deutschlandweiten Haltestellen-ID aus dem zHV-Katalog angelegt werden. Das erspart die doppelte Pflege gegenüber dem Verkehrsverbund.
- Braucht das Fahrpersonal eigene Benutzerkonten?
- Nein. Die Anmeldung am Tablet oder in der Fahrer-App erfolgt über einen kurzlebigen Code; die Sitzung bleibt danach über einen längeren Zeitraum bestehen. Das ist bei wechselndem Fahrpersonal und Fahrzeugen, die von mehreren genutzt werden, der praktikablere Weg.
Weiterlesen
Wer ein bestehendes Anrufsammeltaxi ablösen will, findet die Unterschiede unter Anrufsammeltaxi digitalisieren. Was mit den Fahrplandaten passieren muss, damit das Angebot in Auskunftssystemen auftaucht, steht unter Fahrplandaten veröffentlichen.